„Der Pokal hat seine eigenen Gesetze“, schallt es zu den DFB Pokal-Runden immer wieder durch die Landschaft. Die kleinen haben die Möglichkeit gegen die Großen anzutreten, diese sogar zu ärgern. Dem TSV Havelse ist dies in der 1. Runde gelungen. Der Regionalligist schlug den Bundesligist 1. FC Nürnberg.

Der kleine Stadtteil des Ortes Garbsen in der Region Hannover hat ca. 5.500 Einwohner, ein Stadion mit einer Kapazität von 3.500 Zuschauern. Alles in allem sehr beschaulich für eine zweite Runde im DFB Pokal. Doch der Verein musste für das Spiel gegen den VfL Bochum in der zweiten Runde einiges aufwenden. Die einfache Flutlichtanlage in Havelse reichte nicht aus, um die Partie ordnungsgemäß nach den Statuten des DFB auszuleuchten.

Mit viel Arbeit haben Verein und Stadt es aber hinbekommen, das Spiel im heimischen Wilhelm-Langrehr-Stadion abhalten zu dürfen. Die Lösung für das Lichtproblem waren mobile Flutlichtmasten. Darf man das noch Masten nennen? Genau genommen waren es 4 40-Tonner, die ums Stadion parkten und das Flutlicht über das Spielfeld brachten.

Das war schon ein kurisoser Anblick. Das mobile Flutlicht leuchtete bereits Kilometer weit entfernt einem entgegen. Der halbe Ort wurde Aufgrund der 40-Tonner abgeschottet, so das ich auf dem Weg zur Parkplatz suche bereits durch die Feldmark gondeln durfte. Ist halt kein Elitestadion mit angrenzendem Parkhaus und extra ausgebauter Infrastruktur.

Nach erfolgreicher Parkplatzsuche ging es dann ins Stadion. Dort erwartete mich gleich die nächste Kuriosität. Jeder kennt die üblichen Terminals, die beim Einlass die Karte scannen. In Havelse gab es sowas natürlich nicht. Also musste man Leute abstellen, die nicht das Ticket kontrolliert haben, sondern mit ihrem Smartphone via App den aufgedruckten Barcode einscannten und schauten, ob der Code gültig sei. Sehr goldig und vermutlich werde ich das nicht so oft miterleben.

Das ich dann nicht kontrolliert worden bin, sprich abgetastet, ist eine andere Geschichte. Vermutlich sehe ich eh zu harmlos aus. Ich stand auf der Gegengeraden, zusammen mit den „Hardcore“-Fans des TSV von 1912. Die Gegengerade wird einem, also zumindest geht es mir so, lange in Erinnerung bleiben. Blechwand und Blechdecke. Macht natürlich gut Krawall, wenn ein Dutzend Leute dort gegen boxt.

Zu Beginn des Spieles gefielen einem sogar die VfL Fans. Unter der Woche sind doch etliche mitgereist. Dazu Fahnen- und Schalchoreo. Das war hübsch, in anbetracht der aktuellen sportliche Lage der Bochumer. Leider konnten die Bochumer ihren anständigen Eindruck nicht aufrecht erhalten und so wurden bengalische Feuer gezündelt und auch auf den Platz geworfen. Vor allem nach dem 2-1 Führungstreffer der Bochumer unergründlich für mich, da vor deren Kurve sich die Reservisten des VfL aufwärmten. Ohne Rücksicht solch eine Fackel werfen, ist alles andere als schön.

Das Spiel selber war ansehnlich. Die Gastgeber das bessere Team und so entstand nie wirklich ein Eindruck von Regionalligist gegen Zweitligist. Einzig die Chancenauswertung würde diesen Unterschied signalisieren. Da war Bochum halt Profimäßig unterwegs.

Ein Sieg der Havelser wäre nicht unverdient gewesen. Aber nun gut. Viele hielten die zweite Runde schon für einen Pokalsieg und das hat man dem Team angemerkt. Sie haben aufopferungsvoll und mit viel kampfeswille agiert. Schade, aber spaßig war es und irgendwie wünsche ich mir für kommende Saison wieder einen Auftritt von Havelse im Pokal.

Über den Autor: Dennis

Geboren im Jahre 1989. Bürostuhlakrobat. Sportnerd. Ohne den Konsum von Sport im TV würde es mir schlecht gehen.

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