5. April 2010, 13:23 | Kategorien: 1. Bundesliga, Fußball

HSV-Stürmer Paolo Guerrero ist nach dem 0:0 gegen Hannover 96 und einer Anfeindung von Fans leicht ausgeflippt.

Über Paolo Guerrero wurde gestern und heute schon viel gesprochen. Einem Fan einen Gegenstand (im Beispiel: eine Trinkflasche) an den Kopf werfen geht einfach mal gar nicht. Da kann der Fan von mir aus gesagt haben, was er will. Eine Beleidigung, egal wie schlimm, ist nicht mit einer versuchten Körperverletztung zu rechtfertigen.

Noch etwas schlimmer als die Reaktion von Guerrero finde ich allerdings einige Fans, Beobachter oder what ever. Wenn versucht wird Emotionen als Ausrede für Guerrero zu finden, geht mir das völlig gegen den Strich. Die Fans in Berlin haben auch nur Emotionen gezeigt, möchten wir damit jetzt rechtfertigen, dass die im Stadion randaliert haben? Irgendwo muss auch gut sein, mit Emotionen. Diese Emotionen gehen genau so wenig, wie irgendwelche Tätlichkeiten auf dem Feld gegen Mitspieler oder übertriebene Fouls.

Ich habe mich schon nicht vor einem Raphael Schäfer gestellt, der für mich übertrieben reagiert hat und bei dem ich eine Sperre forderte. Vergleichbare Beispiele in der Causa-Schäfer sind beispielsweise der Mittelfinger zeigende Stefan Effenberg oder ein Mark van Bommel der die selbe Geste wie Schäfer in einem Europapokal Spiel brachte. Effenberg und van Bommel sorgten für aufsehen, wurden beide heftig kritisiert und gesperrt. Aber im Endeffekt, finde ich die Aktionen von allen drei sogar deutlich angenehmer als das, was sich Guerrero rausgenommen hat. Mir ist sogar der Schuh wegwerfende und Brillen klauende Jens Lehmann lieber.

Dann wäre da noch Frank Rost. Ein Torhüter, den eigentlich viele schätzen. Er gibt in der Regel clevere Aussagen, doch gestern lies auch er sich zu etwas selten kluges hinreissen:

“Klar hat Paolo da jetzt vielleicht einen Fehler gemacht, aber unterm Strich macht er das ja nicht grundlos. Da ist ja schon was vorgefallen, da waren Spieler dabei, die das gehört haben. Da muss sich auch der Fan hinter fragen, tja, da hat er Pech gehabt. Da hat er gut getroffen. Die New York Yankees würden ihn wahrscheinlich gerne verpflichten.” – Frank Rost bei SKY im Interview.

Wenn ich dann jedoch auf die Seite von Herrn Rost surfe und vom 25.3.10 folgendes lese, muss ich mich fragen, was ihn da geritten hat:

“Ich glaube ich gehe mal ganz gegen den Trend in Hamburg und halte weiter gepflegt den Mund. Manchmal kann man die richtigen Antworten nur auf dem Platz geben.” – Quelle: www.frank-rost.com

Rost hätte vielleicht auch in dieser Situation “gepflegt” den Mund halten sollen. Das ist weder witzig, noch angebracht gewesen.

Ich weiß nicht was der Fan gesagt hat. Ich stand weder neben ihm noch bin ich ein brasilianischer Lippenleser. Jegliche Spekulationen sind daher auch unangebracht.

Paolo Guerrero wirft neue Schatten über den Hamburger SV, der sich aktuell sowieso nicht in der besten Verfassung präsentiert. So kann man natürlich auch freiwillig-unfreiwillig von den “eigentlichen Problemen” beim HSV ablenken, die wohl doch sehr tiefgründig sitzen.

Die Rollen des DFB und vor allem von der Offiziellen beim HSV sind jetzt schwer einzunehmen. Der DFB muss reagieren, doch wie möchte man diese Situation bewerten? Fans bekommen auch immer auf den Deckel, wenn sie Gegenstände werfen. Aber auch Bernd Hoffmann und Co. haben keine leichte Aufgabe. Einen Spieler der sich so daneben verhält, dem gehört “der Arsch aufgerissen”. Das Problem mit Guerrero ist dann noch, der Vertrag läuft aus und sollte man ihn halten wollen, ist eine Suspendierung bis Ende der Saison auch keine Ideallösung für den HSV.

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