5. April 2010, 02:16 | Kategorien: MotoGP, Motorsport

In wenigen Tagen geht die neue GP-Saison der Motorräder in Katar los. Valentino Rossi will seinen Titel selbstverständlich verteidigen.

Strecken

Erneut wollte die DORNA ein Rennen auf dem Balatonring in Ungarn veranstaltet. Jedoch wie im letzten Jahr schreiten die Baumaßnahmen nur sehr träge voran und so hat die DORNA schon vor der Saison den Balatonring die Absage erteilt. Dieses Jahr hatte man jedoch mit dem Ciudad del Motor de Aragon, besser als Motorland Aragon bekannt, eine Ausweichstrecke in der Hinterhand. Somit wird das zusätzliche Rennen nicht in Ungarn sondern in Spanien ausgetragen. Nach Jerez, Barcelona und Valencia das vierte Rennen in Spanien. Nehmen wir noch Estoril hinzu, sind es sogar 5 Rennen auf der iberischen Halbinsel.

Eine kleine Änderung gibt es dann doch noch im Kalender. Donington fliegt nach den Scharmützeln mit der Formel Eins raus und wird konsequent durch Silverstone ersetzt.

Die Besonderheiten sind natürlich auch 2010 das der Saisonopener in Katar zugleich auch das einzige Nachtrennen der Saison ist. In Assen wird traditionell am Samstag gefahren und in Laguna Seca ist im Rahmen der AMA Superbike Series die Moto GP “zu Gast”. Der Abschluss findet auch 2010 in Valencia statt.

Favoritenkreis

Valentino Rossi ist natürlich der Pilot, den es auch 2010 gilt zu schlagen. Der 7-malige Moto GP Champion (2001-2005, 2008-2009) ist sprichwörtlich das Maß aller Dinge. Das Absurde an Rossi ist das Phänomen. Seit 2000 fährt er in der Moto GP (bzw. damals noch die 500cc-Klasse) und das schlechteste Gesamt-Resultat in 10 Jahre ist der 3. Meisterschaftsrang von 2007, dazu kommen seine Titel und zweimal der 2. Platz am Ende der Saison. Das ist schon überragend, was der Italiener in seiner Laufbahn geleistet hat.

Neben dem “Doctor” gibt es natürlich auch noch Casey Stoner. Der Australier hat einen fast genau so unfassbaren Weg beschritten wie Rossi. Aber auch nur fast. “Moaner” wie ihn vor allem die Rossi-Fans nennen, hat in der 125cc und 250cc keinen richtigen Erfolg feiern können. Seine zwei letzten Saisons vor dem Aufstieg wurde er 8. in der kleinsten Klasse und Vizechampion bei den 250ern. Das war es dann aber auch. In der Moto GP ging seine Leistungskurve aber direkt steil nach oben. Im ersten Jahr wurde er, noch auf Honda, 8. in der Meisterschaft. Dann folgte der Wechsel zu Ducati und da sprang gleich der Titel raus. 2008 wurde er hinter Rossi 2. und 2009 belegte er trotz Krankheit immer noch den 4. Platz der Meisterschaft.

Die Platzierung im letzten Jahr von Stoner zeigt aber auch, wie “schlecht” doch eigentlich die Moto GP aufgestellt ist. Es gibt tatsächlich nicht mehr als 4 Favoriten. Jorge Lorenzo muss man noch in den Favoritenkreis zählen. Beim Spanier ist eine Prognose ziemlich schwer. Er hat Talent und hat das in der 250er auch unter Beweis gestellt. 2 Titel in 3 Jahren ist nicht schlecht bei der Nachwuchsklasse. Auch seine ersten zwei Jahre in der Moto GP waren nicht unerfolgreich. 4. und 2. am Ende der Saison. Das liest sich gut. Lorenzo kann heute ein Rennen brillant gewinnen und morgen haushoch verlieren. Es wird Zeit, dass Lorenzo eine Saison ohne Highsider und Verletzung übersteht. Das mit der Verletzung ist zumindest schon so gut wie hinfällig. Vor den Testfahrten in Katar plagte sich Lorenzo mit einem gebrochenem Daumen herum und hätte dort beinahe nicht teilnehmen können. Fährt er eine Saison ohne krasse Stürze, traue ich ihm den Titel zu wie den beiden anderen. Aber dazu braucht er eben seine Konzentration am Maximum.

Nummer 4 in der Reihe von Favoriten ist Dani Pedrosa. Beim zweiten Spanier im Favoritenkreis gilt das selbe wie bei Lorenzo. Die Saison muss vor allem Sturz und Verletzungsfrei überstanden werden. In seinen bisherigen 4 Jahren Moto GP ist er noch nie ohne Verletzung durchgekommen. Das zeigt wie hart ein Pedrosa am Limit fahren muss, um überhaupt den Anschluss an die Spitze halten zu können. 5., 2., 3. und 3. wurde in er seinen 4-Jahren. Das zeigt auch deutlich, dass man ihn auf der Rechnung haben muss. Und doch bleibt bei Pedrosa immer die “Variable Honda” im Spiel. Geht die Honda gut, hat er Siegchancen. Geht sie mal nicht so richtig, landet er gerne mal im irgendwo zwischen Mittel- und Hinterfeld.

Außenseiter

Es gibt eigentlich keinen Fahrer mehr, der Chancen auf den Titel hat, nagut vielleicht Dovizioso. Sei es, weil das Material unterlegen oder der Fahrer nicht gut genug ist. Andrea Dovizioso ist immer für eine Überraschung gut. Der Teamkollege von Pedrosa hat gutes Material und das diesjährige scheint im bisher als einzigem Honda-Piloten zu liegen. Neben den vier oben genannten Racern ist der Italiener der einzige, der 2009 ebenfalls siegen konnte. Glücklich pokerte Dovizioso in Silverstone, einem Regenrennen, und konnte seinen ersten und bislang einzigen Sieg in der Moto GP feiern.

Gespannt bin ich persönlich auf Ben Spies. Der Amerikaner fährt seine erste Moto GP Saison. Er hat keine Rennen in der 125cc und der 250cc absolviert. Er kommt von den AMA Superbikes und der Superbike Weltmeisterschaft. 2009 ist er bei den SBK Weltmeister geworden, die AMA Superbike Meisterschaft gewann er 3-mal und die dortige Rahmenserie der Superstock holte er sich auch einmal. Die AMA Superbike ist die amerikanische Klasse schlecht hin. 2008 und 2009 durfte Spies jedoch schon “schnuppern”. 3 Rennen in 2008 mit den Platzierungen 14, 8 und 8 und 2009 wurde er in Valencia immerhin 7. bei seinem einzigen Auftritt. Zwar fährt Spies die selbe Maschine wie Lorenzo und Rossi, doch ist er nur im privaten Tech3-Team. Da stellt sich die Frage, wie gut die das Bike aufbereiten können. Ich traue Spies durch aus Siege zu, an einen Titel denke ich persönlich noch nicht.

Colin Edwards ist ebenfalls im Tech3-Team beheimatet. So richtig überzeugt hat mich Edwards nicht, auch wenn er so gesehen den Titel „best of the Rest“ 2009 war. Aber ob das reicht, ist eine andere Sache. Eine einzige Podiums Platzierung steht ihm aus dem letzten Jahr zu Buche und das war auch nur beim Regenrennen in Silverstone, wo die Elite sich sowieso groß verzockt hat. Bin ich ehrlich, reicht es auch 2010 nicht zu einem Sieg, obwohl ich es ihm gönnen würde.

Ich frage mich, ob eine Erwähnung von Nicky Hayden angebracht wäre? Er ist 2006 Weltmeister geworden und danach kam nichts mehr. In der Saison war er aber auch richtig gut drauf. Aber schon damals stempelte ich das als “Eintagesfliege” ab und bis heute wurde ich nicht bestraft. Es kam nach seiner Weltmeister-Saison kein einziger Sieg mehr. Letztes Jahr kam er im Team von Casey Stoner gar nur als 13. durch die Saison. Wenn es gut läuft, kann er es packen aber sonst verschwindet er wieder im Mittelfeld.

Das restliche Feld

Die Überschrift mag irgendwo abwertend rüber kommen, aber in dem recht kleinen Moto GP Feld gibt es halt eine relativ große Leistungspanne. Auf welche Fahrer sollte man noch die Augen haben? Auf Hiroshi Aoyama sollte man ein Auge haben. Der Japaner bot eine fabelhafte 250er Saison im letzten Jahr und ist nicht ganz zu unrecht Meister geworden. Er wird definitiv nicht um das Podium mitfahren, trotzdem ist der Japaner für eine Überraschung im vorderen Mittelfeld zu haben.

Loris Capirossi ist auch in diesem Jahr wieder in der Moto GP dabei. Der 37 Jahre alte Italiener hat in den letzten 2 Jahren immer mal wieder nette Szenen im Mittelfeld gehabt. Capirossi will sich, wenn er überhaupt aufhören sollte, natürlich großartig von der Bühne verabschieden und daher wird er uns auch 2010 einige Leckerbissen zeigen.

Marco Simoncelli kommt eine Klasse hoch. Der Italiener bot bei den 250ern satte Rennaction und hat mit Marco Melandri einen Landsmann als Partner im Team. Wie man merkt, ist das Feld recht dünn und ob ein Alvaro Bautista, Aleix Espargaro oder auch ein Mika Kallio zu überzeugen wissen, wird sich zeigen.

Erwartungen

Schwer zu sagen was man sich erwarten sollte. Die vier vorne haben bereits im letzten Jahr gezeigt, dass sie anständige und vor allem spannende Zieleinläufe zeigen können. Da sei nur mal an das Duell von Rossi und Lorenzo, immerhin Teamkollegen, aus Barcelona erinnert. Beide duellierten sich wirklich bis zur Ziellinie. Das ist Racing und das ist etwas, was ich sehen möchte.

Ich bin trotzdem nicht sonderlich glücklich. Die DORNA hat es mal wieder nicht geschafft, das Feld der Moto GP zu vergrößern. Wir bewegen uns gerade so, dass am Ende doch nicht alle Fahrer Punkte bekommen. Das stört mich und viele andere auch. Hoffentlich entschädigt die Saison erneut für das kleine Fahrerfeld.

Sollte ich es schaffen, kommt die Tage noch ein kleiner Ausblick auf die 125cc und die neue Moto2, die im Rahmen der großen MotoGP unterwegs sind.

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