6. März 2010, 09:13 | Kategorien: Formel 1, Motorsport

Im dritten Teil der “4+4+4″ Teamvorschau kommen wir zu den “Big Four” um Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes. Wer sich Teil II der “4+4+4″ Reihe noch nicht angeschaut hat, sollte dies mal machen.

Zu Beginn sollte noch erwähnt werden, dass die Testzeiten natürlich nur eine eingeschränkte Aussagekraft haben. Alle Anzeichen in den Tests können sich auch “erschlichen” worden sein, denn die FIA überprüft die Autos nicht. Zu dem ist wohl niemand der Topteams mit dem endgültigen Doppeldiffusor unterwegs gewesen.

Scuderia Ferrari

Das italienische Traditionsteams hatte 2009 schrecklich verwachst. Der Wagen kam zu keinem Zeitpunkt so richtig in fahrt und dann hat man auch früh die Weiterentwicklung eingestellt. Dazu kam der Unfall und die Verletzung von Felipe Massa und die schlechte Entscheidung der Ersatzpiloten.

Tapetenwechsel die nächste für Fernando Alonso. Sein Gastspiel bei McLaren ist bekanntermaßen gefloppt und die Rückkehr bei Renault war auch eher nur eine Notlösung. Alonso ist hungrig nach den zwei verkorksten Jahren bei Renault, will seinen dritten Titel und vor allem ist sein alter Rivale Schumacher zurück.

Felipe Massa ist gesund und hat bei den Testfahrten auch wirklich mitgehalten. Wir sollten aber nicht vergessen, dass Testfahrten eben nur Testfahrten sind und Rennen eine andere Geschichte ist. Das gilt natürlich auch für Schumacher. Das Duell bei den Testfahrten gegen Alonso hat der Brasilianer mit 1:3 verloren. Lag aber in der Regel doch nahe an dem zweimaligen Weltmeister dran.

Die ersten Testfahrten dominierte der F10 fast „nach belieben“, dann war der Wagen zwischen 1,2 und 1,8 Sekunden zurück und am Ende war man wieder am schnellsten dran. Das sind extreme Sprünge, die man eigentlich kaum auswerten kann. Man hat wohl zweimal versucht den Wagen auf Schnelligkeit zu trimmen und zweimal Richtung Rennabstimmung und Reifenverschleiß geguckt.

Fazit: Ein zweites Seuchenjahr wäre für die Italiener nicht gut. Es heißt ja neuerdings auch, dass in Maranello wieder italienisch gesprochen wird. Ferrari hat die komplette Führungsriege in den letzten Jahren verloren, es muss ein deutliches Signal kommen. Dazu hat man mit Massa und Alonso zwei Fahrer die definitiv Weltmeister werden können. Dem Wagen würde ich es auch zutrauen.

Red Bull Racing

Geändert hat sich bei Red Bull nichts. Sebastian Vettel und Mark Webber bleiben auch 2010 das Fahrerduo, dazu hat Christian Horner bereits im letzten Jahr einen guten Wagen gebaut, „mehrmals“ sogar. Erst ohne Doppeldiffusor und am Ende auch mit Doppeldiffusor.

Mark Webber ist durch aus ein Fahrer, der auch nicht nur ein Fahrer für die Rolle des Wasserträgers ist. Natürlich hat sich Webber noch nie richtig durchsetzen können. Im Gegensatz zu 2009 ist er in diesem Jahr ohne Verletzung in die Saison gestartet. Wird dem Australier sicherlich gut tun.

Sebastian Vettel war ehrlich, als er auf seinen Vizetitel angesprochen wurde. Er machte klar, dass das für ihn wie eine Niederlage ist. Ein Vizeweltmeister geht halt nicht in die Geschichtsbücher ein, Button als Weltmeister dagegen schon. Vettel hat im letzten Jahr noch überflüssige Fehler gemacht, die ihm meiner Meinung nach den Titel am Ende gekostet haben. Wenn sich Vettel in diesem Jahr steigert und eben wie ein Button auch mal einen 3. oder 4. Platz unbeschadet nach Hause fährt, könnte es etwas mit dem Titel werden.

Der Wagen zeigte bei den Testfahrten Probleme auf. Im letzten Jahr gab es schon bei den Rennen die Probleme mit dem Motor von Renault. Erst beim letzten Test konnte man in die Top 10 vorfahren. Webber stellte mit dem RB6 die 2. beste Zeit in Barcelona auf.

Fazit: Sollten die Probleme behoben worden sein, die Motoren in diesem Jahr nicht mehr so schnell geschrottet werden, ja dann hat für mich Vettel deutliche Chancen auf den Titel. Dazu muss Vettel aber seine „leichten Fehler“ abstellen. Webber sehe ich nur als Wasserträger.

Mercedes GP

Das neue Mercedes Werksteam mit einer vermeintlich genau so interessanten Fahrerpaarung wie McLaren. Im „deutschen Nationalteam“ starten Michael Schumacher und Nico Rosberg.

Inoffiziell gilt Nico Rosberg für viele als Nummer 2 im Team. Offiziell sagt man natürlich, beide dürfen um den Titel fahren. Rosberg hat nach seinen Jahren bei Williams endlich ein Team gefunden, wo er überhaupt mal von Titelambitionen träumen darf. Wichtig wird sein, ob er sich 1. gegen Schumacher durch setzen kann und 2. wie er mit dem „neuen Druck“ zurecht kommt.

Michael Schumacher kehrt in die Formel Eins zurück. Erst das geplatzte Comeback bei Ferrari im letzten Jahr und nun wird es wohl tatsächlich klappen. Viel muss man über den 7maligen Weltmeister ja nicht erzählen. Schumacher signalisierte bei den Testfahrten doch tatsächlich alten Ehrgeiz und hat im Duell gegen Rosberg 2:2 „gespielt“. Eine Testzeit die pro Rosberg gegangen ist, ist vermutlich dem Regen geschuldet. Schumacher durfte bei Regen auf die Piste und hat deswegen Zeit verloren. Die 2. Niederlage ist mit 0,04 Sekunden doch recht knapp ausgefallen. Schumacher hat also noch den Speed.

Während im letzten Jahr Brawn GP noch vermeintliche Vorstandszeiten vorgeworfen worden sind, hängt das Mercedes Werksteam eher im Mittelfeld bei den Testfahrten. Vermutlich hat Mercedes probiert, den Reifenabbau so gering wie möglich zu halten und ist nicht scharf darauf gewesen, am Ende mit Qualifying-Zeiten zu bestechen.

Fazit: Mercedes ist für mich das Team der Ungewissheit. Schumacher war Jahre nicht in einem Rennen im Einsatz und Rosberg war noch nie in einem Team in dem er vermutlich am Ende ganz oben stehen kann. Von der Konstellation her ist man vermutlich mit Ross Brawn und Michael Schumacher das am besten besetze Team. Ich bin gespannt, Chancen auf den Titel hat man sicherlich.

McLaren Mercedes

Es ist zwar nicht das Weltmeisterteam, hat aber mit Jenson Button den amtierenden Weltmeister im Team. Deshalb kommt das “britische Nationalteam” am Ende.

Lewis Hamilton darf 2010 die Nummer 2 auf seinem Auto herum fahren. In seiner noch jungen Karriere hat Hamilton schon einiges durchlebt. Bislang hatte er zwei unterschiedliche Teamkollegen. Der eine verursachte den „Krieg der Sterne“, der andere fuhr nur hinter her. Button ist Weltmeister und wird sich sicherlich nicht einfach als Wasserträger abstempeln lassen, aber das gilt auch für Hamilton. Es wird interessant, wie ein Hamilton mit einem Button klar kommt und ob es eine vernünftige Regelung innerhalb des Team gibt oder ob beide „freie Fahrt“ haben.

Jenson Button galt bis zu seinem Weltmeistertitel eher als ein ewiges Talent, dem man nur noch wenig zugetraut hatte. Das er dann im letzten Jahr das lange Zeit beste Auto unterm Popo hatte, war vermutlich mehr Glück als Verstand. Der amtierende Weltmeister ist trotzdem ein intelligenter Fahrer, der zur Not auch mal auf “Punkte sichern” fahren kann. Es ist sicherlich kein Geheimnis das solche Fahrer nicht immer gemocht werden, aber so was muss man halt auch beherrschen.

Die Testzeiten stimmen, wenn man überhaupt etwas dazu sagen kann. 3 von 4 Testbestzeiten wurden mit dem MP4-25 gefahren. Zweimal steht Hamilton ganz oben und einmal Button. Wäre das Duell 2:1 für Button ausgegangen, hätte ich mich etwas gewundert. Der Wagen ist im Grunde pro Hamilton konzipiert und der hat eine aggressivere Fahrweise als Button.

Fazit: Sowohl Hamilton als auch Button sind sicherlich Titelanwärter. Mein Bedenken gilt aber dem Duell im Team. Ich weiß nicht ob sich Hamilton so geändert hat, dass er einen Konkurrent im Team fair auf der Strecke „besiegen“ kann.

  1. 8. März 2010 um 20:06

    Ich bin ja schon mal gespannt wie sich Michael Schumacher in dieser Saison schlagen wird. Ehrlich gesagt bin ich aber der Meinung, dass er es bei seinem Rücktritt hätte lassen sollen. Er läuft Gefahr seinen Heldenstatus zu verlieren.

  2. xeniC
    10. März 2010 um 16:17

    Schumacher geht ein Risiko ein, richtig. Aber eigentlich gewinnt er schon, wenn er überhaupt regelmässige Top5 Plätze einfährt, das Podium erklimmt und gar Siege holt. Das wäre schon ein Erfolg. Nur sehen das die wenigstens, die wollen den 8. Titel von “heute auf morgen” sehen. Das ist das große Problem. Ein Rücktritt vom Rücktritt ist immer nur halb gut.