19. Mai 2010, 16:23 | Kategorien: Magazin

Skandalsport: Radsport. In den letzten Jahren hat der Radsport durch einige Dopingvorfälle seinen Ruf erheblich verschlechtert.

Alleine das ich hier schon auf eine Punshingline wie “Skandalsport” zurückgreife, zeigt eigentlich, dass die öffentliche Wahrnehmung schlecht ist. Versucht man mit anderen Leuten über den Radsport zureden, wird man in vielen der Diskussionen den Satz “die Nutzen doch alle Mittel” hören. Radsport hat mittlerweile eher einen negativen als positiven Ruf auf den Schultern und ich finde das nicht sonderlich gut.

Es ist natürlich unabstreitbar, dass es in den letzten Jahren viele Dopingvorfälle gab. Sei es ein Floyd Landis, der nach einem Hungerast seine Jahrhundertetappe gefahren ist bei der Tour de France, oder die Geschichte rund um Dr. Fuentes. Das sind nur Beispiele, doch gerade der Skandal um Fuentes zeigt eigentlich schon auf, dass es nicht nur der Radsport ist. Der Radsport ist nur in soweit betroffen, dass sehr viel auf den Radsport zurückfällt.

Laut damaligen Berichten sollen auch der FC Barcelona und Real Madrid in die Vorfälle verwickelt gewesen sein. So richtig darum gekümmert, hat sich niemand. Ob beide Teams wirklich etwas mit Fuentes am Wickel hatten, ist in meinen Augen nie wirklich klar geworden.

Ich schaue auch weiterhin Radsport. Sei es die Tour de France, den Giro d’Italia, die Vuelta Espana oder auch beispielsweise die Tour of California. Für mich ist der Radsport ein Bauernopfer – vielleicht sogar zu Recht. Die Dopingvorfälle will und kann ich nicht schönreden, doch auch Aussagen wie “die dopen alle” spiegeln sicherlich nicht die Wahrheit wieder. Sollten am Ende doch alle dopen, reguliert sich die Leistung doch automatisch auf ein Niveau. Natürlich mag Doping schädlich für den Körper sein, aber wer es sich antut, sollte die Risiken einschätzen können/dürfen.

Keiner, wirklich keiner, kann mir bestätigen, dass in anderen Sportarten nicht gedopt wird. Sei es der Fußball, Tennis, Leichathletik, Biathlon oder im Motorsport – um nur ein paar Sportarten zunennen. Warum sollte auch ausgerechnet im Sport nicht gedopt werden? Wir leben, leider, in einer Leistungsgesellschaft. Wer keine Leistung bringt, bringt es halt auch nicht weit. Schüler sollen bereits vor wichtigen Klausuren Ritalin einschmeissen. Ein Mittel, dass die Konzentrationsfähigkeit steigert. Wenn ich mehr lernen kann, weil es mir “besser” geht, schreibe ich zwangsläufig auch bessere Noten. Wie viele normale Arbeitnehmer oder auch Manager schmeissen Mittel ein? Die Zahl wird wohl nicht zu klein sein.

Der Radsport hat bereits viele begeistert, als es noch still um Doping war. Wer möchte sich nicht an Jan Ullrich zurück erinnern, wie er ins gelbe Trikot fuhr oder seine Duelle mit Lance Armstrong? ARD und ZDF haben diese Begeisterung aufgenommen und sich selber gefreut. Kaum wird Doping ein Thema, möchte man die Tour de France lieber aus dem Programm werfen. Doch die kurzen Ausstrahlungen im letzten Jahr, brachten der ARD und ZDF Quoten zum vergessen. Radsport wird auch trotz Doping geguckt. Vielleicht gerade wegen den Dopingvorfällen. Mit gutem Gewissen kann man sich sagen: Es wird getestet und die Doofen werden erwischt. Doch auch das ist zu blauäugig gedacht. Nur weil getestet und gefunden wird, wird keine Sportart clean werden.

Pauschal gesagt: Doping gibt es in jeder Form. Egal ob im Sport oder im normalen Alltag. Wer blauäugig durch die Gegend gehen möchte, soll dies auch weiterhin tun. Doping gehört zur heutigen Leistungsgesellschaft leider dazu.

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