26. Februar 2010, 14:23 | Kategorien: Magazin

Ich habe ja schon so ein wenig meine Meinung über die Übertragungen der öffentlich-rechtlichen rausposaunt. Jetzt kümmere ich mich mal vorwiegend um Eurosport. Ein Sender der in Deutschland zu oft zu kurz kommt.

Die Devise bei Eurosport lautet “alle Entscheidungen live zeigen”. Zumindest solange diese nicht paralell stattfinden. Das findet der Sportinteressierte Zuschauer, wie ich es bin, gut. Die Leute die mehr auf Berichte stehen, werden da wohl lieber vorwiegend ARD und ZDF einschalten. Eurosport hat seine Zielgruppe und die wird ihnen von den deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern nicht streitig gemacht, eher stört da wohl vermutlich die BBC. Aber das ist ein anderes Thema.

Persönlich gut gefallen hat mir mal wieder Guido Heuber. Sei es bei den Ski Alpin Wettbewerben oder den Snowboard und Ski Freestyle Sachen, die er vorwiegend kommentieren durfte. Heuber höre ich gerne zu, vorallem auf Eurosport 2 wo er regelmässig die Weltcups von Ski Freestyle und Snowboard kommentiert. Man merkt Guido Heuber an, das er Jahre lang die eine (oder andere) Sportart betrieben, sich mit den zu kommentierenden Sportarten auch heute noch beschäftigt und vorallem mit Spaß bei der Sache ist. Zusammen mit Experte Frank Wörndl bei den Ski Alpinen ist Heuber eine Begeisterung für jeden Sportfan. Beide schaffen es kritisch und objektiv rüber zukommen, auch mal im richtigen Moment vom eigentlich Wettbewerb abzuschweifen und auch die ganz speziellen Athleten aus Indien, dem Iran oder sonst wo her zu kommentieren. Bei den Aerials im Ski Freestyle da bekommt man das Gefühl, Heuber sitz in der Jury und bewertet mit. Er haut raus was er denkt, versteckt sich nicht und hat den Mut auch die Jury zu kritisieren, wenn sie zu gut oder zu schlecht bewerten. Es macht einfach riesig Spaß Guido Heuber zu zuhören. Vorallem weil Heuber auch gerne mal “You got it” gleich 3x am Stück raushaut. Das macht Spaß, das begeistert den Zuseher vor dem TV.

Eine Randsportart in Deutschland ist und bleibt Curling. Während auf Einsfestival die Übertragungen mal gerne für Eishockey “unterbrochen” werden und von Thomas Braml (oder wars jemand anders?) auch gerne als Gute Nacht Geschichte kommentiert wird. Gespielte Steine die eigentlich eher nicht so gut waren, werden als Perfekt abgestempelt. Der Laie bekommt also wenig Überblick. Bei Eurosport war von Beginn an Christopher Bartsch eingeteilt und kurzfristig hat man sich noch den ausgemusterten Curling-Spieler Uli Kapp als Experten rangezogen. Der Schachtzug mit Uli Kapp hat eigentlich ein Sonderlob verdient. Bartsch und Kapp kommentieren wirklich exzellent, beurteilen gut und analysieren perfekt. Beide Schaffen das Spiel zwischen Fachchinesisch und deutscher Übersetzung perfekt, so das am Ende sogar ein Laie sich für den Sport begeistern dürfte.

Nicht alles was bei Eurosport lief, hat mir gefallen. Eiskunstlaufen mit Sigi Heinrich und Hendryck Schamberger als Experte. Klingt erstmal viel versprechend und doch hab ich etwas auszusetzen. Im Vergleich zum ZDF mit Rudi Cerne ist Eurosport hier um längen geschlagen. Heinrich und Schamberger lassen den Lauf ansich in ruhe und schweigen, geben dem Zuschauer Zeit zum geniessen. Mag richtig sein und doch hat der Laie keine Ahnung ob das jetzt ein Flip, ein Axel oder ein Rittberger war. Cerne dagegen hat das richtige Mittelmaß gefunden. Kurz und direkt kommt dann ein Kommentar, was gerade gesprungen wird/wurde. Gefällt mir Eiskunstlauf Laie, wenn ich dann doch mal 10 Minuten Eiskunstlaufen gucke.

Wo wir schon mal bei Sigi Heinrich sind. Eigentlich einer der besten Biathlon Kommentatoren die ich je gehört habe und doch ist mir vorwiegend aufgefallen, dass ihm ein Experte bei Olympia fehlte. Bei den Weltcups waren im großen und ganzen immer Frank Luck und Katja Beer an seiner Seite. Heinrich war auf einem normalen Niveau und doch fehlte mir der Experte/die Expertin an seiner Seite.

Eine Entdeckung bei Eurosport sind vermutlich Oliver Faßnacht und Gerd Leinauer beim Eishockey. Beide geben sich die nötigen Steilpässe und dann hat man zwischendurch auch noch Mannix Wolf als Experten an die Seite bekommen. Passte einfach, war zum lachen und doch nah am Eis. Da verzeiht man auch, dass beide (oder alle drei) vermutlich nur in Paris sitzen zum kommentieren.

Eurosport hat sogar mit Vorberichten aufgebaut, die wirklich nicht schlecht waren. Kurz und knapp, mit und ohne Interviews. Der Mix war da, auch wenn die Vorberichte für den Tag auf 30 Minuten beschränkt waren. Davor gab es die Wiederholung von “Finish Line”, den Zusammenfassungen des abgelaufenen Wettkampftages. Perfekt um in die olympische Nacht zu starten.

Ein Streitthema ist natürlich auch Stephane Franke. Franke stand Ende der 90er Jahre unter Dopingverdacht. Er wurde nicht verurteilt und trotzdem ist das für viele ein Dorn im Auge. In Dubio pro reo. Man kann ihn mögen oder auch nicht. Der Verdacht hängt ihm immer noch an den Hacken und das ist eigentlich schlimm genug, zu mal ihm nie was nachgewiesen worden ist.

Damit der Artikel nicht zerrissen werden kann. Ich habe ansich nichts gegen die ARD und die ZDF. Beide haben “ihr Konzept” durch gezogen und das mag für einige falsch sein, für andere richtig. ARD/ZDF müssen größtenteils den Mainstream glücklich machen und nicht die Sportfreaks. Der Mainstream steht sicherlich nicht immer auf Emotionen. Wir können glücklich sein, die Wahl zwischen ARD/ZDF und Eurosport zu haben (vielleicht sogar noch die BBC).

  1. 26. Februar 2010 um 15:04

    Kann dir fast uneingeschränkt zustimmen! Geht mir genauso, besonders Guido Heuber und Frank Wörndl gefallen mir. Als Experte sticht auch durchaus noch Gerd Siegmund heraus, der zusammen mit Dirk Thiele auch ein gutes Gespann abgibt, alleine möcht ich Dirk Thiele allerdings glaube ich nicht hören wollen.
    Anderer Meinung bin ich nur beim Eiskunstlauf. Auch da mag ich Sport pur und freue mich wenn die beiden Kommentatoren möglichst wenig reden, was daran liegen könnte, dass ich die Sprünge durchaus erkenne, also auf keine Hinweise angewiesen bin.

    Gruß
    Markus

  2. xeniC
    26. Februar 2010 um 20:43

    Thiele und Siegmund habe ich rausgelassen, weil die seit Jahren zusammen arbeiten. Beide sind im Grunde bei Zuschauern im Skispringen sehr beliebt. Von daher fallen die einfach mal raus.

    Ich stimme dir ja grundsätzlich überein mit dem Eiskunstlauf. Heinrich und Schamberger machen es weiß gott nicht schlecht, wenn ich da nur an den Ausbruch von Heinrich denke ;). Mir ging es aber mehr darum, dass ich als Laie keine Ahnung von den Sprüngen habe, wenn ich mal eine Gruppe gucke. Da würde ich halt behaupten, dass das mit Rudi Cerne schneller zu einem “Grundwissen” führt als bei Heinrich/Schamberger. Der Eiskunstlauf-Experte wird sicherlich auch wieder bei Eurosport warm und vorallem, er kann die Läufe samt Musik geniessen. In diesem Fall wohl eher ein Patt zwischen ZDF (bzw ZDFinfo wenn Cerne kommentiert) und Eurosport.

  3. 27. Februar 2010 um 10:53

    Ja das stimmt absolut. Erklärt kommt bei Eurosport absolut nix, Cerne hab ich nicht gesehen, aber kann mir schon vorstellen, das ein Satz zwischendurch mal Laien extrem hilft, auch bei Schrittfolgen oder ähnlichem. Ich denke da sind wir uns auf jeden Fall einig.

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