Die Rallye Dakar 2011 ist abgeschlossen. Die Rallye-Raid fand am Sonntag ihre Siege in den jeweiligen Kategorien. Volkswagen triumphiert erneut bei den Autos, dieses mal durfte Nasser Al-Attiyah, bei den Motorrädern gewinnt Marc Coma.
Die diesjährige Dakar umfasste rund 9.500 Kilometer, von denen anfangs über 5.000 Kilometer als Wertungsprüfung durchgewunken wurde. Die Wertungskilometer verkürzten sich aber immer wieder auf den einzelnen Etappen und das schon seit man in Südamerika ist. Dazu aber später mehr.
Cars: Al-Attiyah siegt
Nach den Siegen 2009 und 2010 konnte Volkswagen auch 2011 den Titel verteidigen. Das interessante an diesen 3 Siegen ist, dass es jährlich einen neuen Piloten trifft. Waren es 2009 noch Giniel de Villiers mit Dirk von Zitzewitz und 2010 Carlos Sainz mit Lucas Cruz wurde es in diesem Jahr Nasser Al-Attiyah mit Timo Gottschalk. Das ist schon eine verrückte Geschichte und beinahe unglaublich. 3 Siege in Folge von Volkswagen und nie konnte einer der Vorjahressieger seinen Triumph wiederholen.
Al-Attiyah war in diesem Jahr der konstanteste Fahrer. Er lieferte sich keine Probleme, hatte mit Timo Gottschalk einen ausgesprochen guten Navigator und so fährt man halt allen davon. Ob Al-Attiyah an Sainz vorbei gekommen wäre, wenn dieser sich samt Beifahrer nicht mal vernavigiert hätte, ist ein offenes Rätsel. Sainz schrieb sage und schreibe 7, in Worte sieben, Etappensiege. Das ist bei 13 Wertungsetappen mehr als die Hälfte und ist ein neuer, alleiniger Rekord von Carlos Sainz in den Dakar-Büchern. Aber auch Al-Attiyah schrub sich in die Dakar-Bücher ein. Nicht nur durch seinen Gesamtsieg, sondern auch als 1. Araber der die Dakar gewinnen konnte!
Das bei BMW vieles falsch lief, das sagte ich bereits zur Halbzeit, aber auch schon vor der Dakar sprach ich dem Pilotenfeld von BMW viel ab. Ich sollte recht behalten und Stephane Peterhansel verschaffte sich einen neuen Nickname. “Mr. Puncture” wird der Franzose nur noch genannt. Die Abstimmung am X3 CC stimmte vorne und hinten nicht und brach bei Peter viele Reifenschäden. Der reine Speed war in Ordnung und damit hätte man vielleicht die Volkswagen abhalten können vom erneuten 3-fach Triumph. Bei BMW musste man aber feststellen, dass eine Dakar eben durch Zuverlässigkeit gewonnen wird und nicht nur durch Speed.
Al-Attiyah gewinnt die Dakar 2011 mit fast 50 Minuten Vorsprung vor Villiers und mit satten 1 Stunde und 20 Minuten vor Sainz. Bester nicht VW mit “Mr. Puncture” im BMW ist auf #4 eingekommen mit 103 Minuten Rückstand. Die Buggywertung ging übrigens nach Deutschland. Matthias Kahle und Thomas Schünemann gewannen in ihrem SMG-Buggy und liegen Overall bei den Autos auf #10. Ein tolles Ergebnis für die beiden.
Bikes: Coma gewinnt – Despres mit Ausreden?
Marc Coma heißt der Champion auf 2-Rädern. Nach 2006 und 2009 ist es der 3. Sieg für den Spanier. Sein Gegner hieß über die Dakar hinweg, selbstverständlich, Cyril Despres. Coma und Despres fuhren relativ entspannt vorne weg. Es wurde früh klar, welche beiden bei der Dakar die Nase vorn haben werden.
Despres hat mir heute Abend im Biwak bei den Abschluss-Interviews überhaupt nicht gefallen. Immer und immer wieder nahm er seine 10 Minuten Penalty in den Mund. Eine 10 Minuten Penalty erklären aber noch lange nicht, weitere 5 Minuten Rückstand. Gesamt hatte Despres 15 Minuten Rückstand in der Schlusswertung auf Coma. Das kann der Franzose nicht so einfach mit seiner Penalty abstempeln, zumal er daran selbst Schuld ist. Immerhin hat er das ja, zwischen den Zeilen, zugestanden. Despres gestand ein, dass Coma einfach die bessere Navigation hatte und er eben nicht.
Die letzte Etappe hat sogar noch einen Unglücksraben mit sich gebracht. Francisco “Chaleco” Lopez Contardo heißt der gute Mann. Knapp 80 Kilometer vor dem Ziel gabs einen Ermüdungsbruch der Stoßdämpfer an seinem Motorrad. Eine weiterfahrt blieb ihm verwehrt und selbst seine Wasserträger brachten ihm nicht viel Hilfe. Sowas kann man halt nicht wirklich reparieren. Am Ende zog ihn ein Quadfahrer die letzten Kilometer und der Profiteur von diesem Pech von Chaleco Lopez war Helder Rodrigues. Der Portugiese schob sich auf der letzten Etappe noch an Chaleco vorbei. Traurig für den Chilenen – natürlich.
Overall gewinnt also Coma mit 15 Minuten Vorsprung auf seinen ärgsten Konkurrent Despres. Dahinter kam Rodrigues mit 100 Minuten Rückstand ins Ziel. Chaleco “rettete” sich noch auf #4 mit 129 Minuten Rückstand.
Trucks & Quad: Chagin & Alejandro Patronelli
Gewohntes Bild gab es auch in diesem Jahr bei den Trucks. Die Kamaz-Ungeheuer dominierten auch in diesem Jahr wieder die Truckwertung. Vladimir Chagin, der fast Seriensieger, gewann auch in diesem Jahr wieder vor Fladimir Kabirov. Was für ungeheuer die Kamaz-Trucks sind, zeigt sich in der Gesamtzeit. Al-Attiyah brauchte im Race Touareg 3 satte 45 Stunden, 16 Minuten und 16 Sekunden. Chagin benötigte 48 Stunden, 28 Minuten und 54 Sekunden. Kabirov kam 30 Minuten und 4 Sekunden später an. Der Zeitverlust auf Al-Attiyah klingt viel, aber mit diesen Zeiten wären sowohl Chagin als auch Kabirov auf dem #5 und #6 in der Autowertung gewesen! Der #5 der Autos, Holowczyc, brauchte nämlich 49 Stunden, 27 Minuten und einige Sekunden. Wahnsinnige Leistung in diesen Gefährten.
Bei den Quads löste Alejandro Patronelli mit dem Gesamtsieg seinen Bruder Marco ab, der im Vorjah gewinnen konnte. Patronelli gewann aber auch deutlich die Quad-Wertung. 60 Minuten minus 7 Sekunden Vorsprung hatte Patronelli am Ende auf Sebastian Halpern Vorsprung.
Streckenprobleme in Südamerika?
Schon seit dem Auswandern aus Südafrika hört man immer wieder das gleiche. Die Etappen in Südamerika wären einfach zu WRC-lastig. Übersetzt heißt das in etwa, zu kurz und vor allem, zu kurvig. Leider muss auch ich den Kritikern recht geben.
Es liegt aber auch ein nicht unwichtiges Problem zur Grunde, das immer wieder für die Verkürzung von langen Etappen aufkommt. Jahr für Jahr werden durch Regen die Etappen in Südamerika problematisch und dadurch teilweise sogar erheblich gekürzt. Das passiert immer wieder und die Teilnehmer müssen regelmäßig kurzfristig neue Routen hinnehmen. Zudem werden die Etappen auch gekürzt, weil am Ruhetag viele Fahrer immer und immer wieder noch auf der Strecke sind, statt im Biwak. Schuld daran sind dann natürlich auch die längeren, Rallye Raid-artigen Etappen. Die Verantwortlichen von der ASO wollen natürlich möglichst viele Teilnehmer in Buenos Aires ankommen sehen und passen es auch deshalb an.
Nüchtern betrachtet muss man die Verantwortlichen aber fragen, was sie wollen. Eine Rallye-Raid oder eine mehrtätige WRC-artige Veranstaltung? Die Dakar lebt durch ihren Ruf, ihre Einzigartigkeit. Das sollte man nicht einfach vergessen, sondern beachten. Vielleicht muss man die Routen auch einfach nur mal besser planen, damit diese Schwulitäten in Sachen leeres Biwak am Ruhetag nicht mehr so vorkommen, wie vor allem in diesem und im letzten Jahr.
Ausblick
Ich wage es nicht, in die Zukunft zublicken. BMW hat mit dem Mini ja bereits ein Auto auf 2012-Reglement. Bei Volkswagen wartet man wie immer und sonst hört man von Volvo einen möglichen Werkseinstieg. Was daraus kommt, wird man sehen. Vieles wird sicherlich noch am Reglement verschärft oder gelockert werden. Ich bin also in diesem Fall gern vorsichtig. Was sicher ist, man wird auch 2012 in Südamerika fahren.

