In der vierten Runde der US Open traf Deutschlands aktuell beste Tennisspielerin Angelique Kerber auf die Italienerin Sara Errani. Im bisherigen Head-2-Head stand es vor diesem Duell 1:1. Die bisherigen Duelle fanden ebenfalls in diesem Jahr statt. Gleich zu Beginn des Jahres in Hobart, wo Kerber 6-1 6-2 auf dem Hartplatz gewonnen hat. Das zweite Spiel fand in Paris im Viertelfinale von Roland Garros statt. Sandplatzspezialistin Errani gewann 6-3 7-6.

Der erste Satz zwischen Kerber und Errani hat mich von Beginn an beeindruckt. Die Italienerin zeigte durchweg ihr “Sandplatztennis”. Daraus resultierten viele schöne und lange Grundlinie-Duelle. Weiterhin forcierte die Italienerin immer wieder, dass die Bälle hinten raus sehr hoch springen, eben bedingt durch den “Sandplatztennis” der Italienerin. Das war zu jeder Zeit sehr unangenehm für Kerber, die dadurch relativ oft Errani die Chance gab, leichte Punkte am Netz zumachen. Als perfekte Antwort auf das Spiel von Errani konnte Angie immer wieder ihren perfekten Longline auspacken.

71 Minuten brauchte es im ersten Satz, bis dieser entschieden war. Im Tiebreak konnte sich Errani (7-5) diesen sichern. Dabei half Kerber mit zwei wirklich absurden Schlägen mit und bescherte der Italienerin 3 Satzbälle. Zwei konnte die Deutsche zwar noch abwehren, aber der 3. sollte dann doch mit Hilfe von Angie sitzen.

Dieser erste Satz wurde von einer Nuance entschieden. Beide Damen zeigten hochkarätiges Tennis und eigentlich hatte niemand verdient, diesen Satz zu verlieren.

Zu Beginn des 2. Satzes zeigte sich, wer den 1. Satz am Ende für sich entschieden hat. Kerber wirkte nicht mehr so, wie sie es im ersten Satz spielte. Beim Stand von 0-1, 0-40 und damit 3 Breakbällen für die Italienerin, zeigte Kerber dann aber wieder aufsteigende Ansätze. Unter anderem weil sie auf ihr kurzzeitig einfließendes Surf & Volley wieder verzichtete. Was mir persönlich imponierte, war der zweite Aufschlag bei 15-40. Leider behielt Errani die nerven und sicherte das Break und damit die 2-0 Satzführung mit dem 6. Breakball in diesem Aufschlagspiel der Deutschen.

Errani brachte anschließend ihr Spiel sicher durch, weil Kerber wieder anfing unnötig ans Netz zugehen. Danach kam dann auch Kerber in dem Satz an und “verkürzte” auf 1-3. Danach kam das Re-Break von Kerber. Errani zeigte nicht mehr das, was sie zuvor spielte. Die Italienerin wurde passiver, verzichte auf einen Vorstoß ans Netz, als es möglich war. Das ermöglichte Kerber das Break und plötzlich sah es wieder normal aus.

Die beiden Damen ließen den geneigten Zuseher nicht zur Ruhe kommen. Kerber machte aus 0-3 ein 3-3 und hatte anschließend wieder die Möglichkeit auf ein Break. Doch bei 30-0 baute sie die schwächelnde Italienerin wieder etwas auf. Kerber holte plötzlich für einen unnötigen Stopp aus und versaubeutelte dabei die Chance sich in eine gute Lage für ein Break zu bringen. Errani schaffte es also, ihr Spiel nach Hause zu bringen.

Es waren die Knackpunkte in diesem Spiel. Das nicht geholte Break von Kerber in diesen Momenten und das anschließende Aufschlagspiel der Deutschen. Angie schaffte es nicht, ihr eigenes Spiel nach Hause zu bringen und lud Errani damit ein, zum Matchgewinn zu servieren.  Wie üblich bei Angie verlor sie wieder an Körperspannung und damit auch an Präzision und Sicherheit in ihrem Spiel. Im Anschluss war es kein Problem mehr für die Italiener auch Satz 2 für sich zu entscheiden und somit das Spiel zu gewinnen.

Angelique Kerber ist auf einem definitiv guten Weg. Aus ihrer Loopingbahn mit ihrer Körpersprache ist in den letzten Wochen und Monaten nur noch eine Achterbahn geworden. Wenn das irgendwann nur noch eine Kinderachterbahn ist, ist für mich auf dem besten Weg in die Fußstampf einer ganz Großen Deutschen zu steigen. Ich weiß, das ist heute noch eine große Bürde für die gebürtige Bremerin, aber das potenzial hat sie und sie kann es auch immer wieder abrufen. Ein wenig muss sie auch noch an ihrer Cleverness feilen. Einige eher schlecht durchdachte Angriffe liefert sie immer wieder. Heute hat ihr das für mich den Sieg gekostet.